'Kurzgefasst’ sind die Geschichten in diesem Erzählband,
weil es eigentlich auch ‘längergefasst’ gegangen wäre.
Aber gerade das ist ja der Clou: Angela Kreuz beweist, wie viel sich
tatsächlich mit wie wenigen Zeilen sagen lässt – und
dazwischen. Sie stellt verschiedene außergewöhnliche Persönlichkeiten
und Charaktere vor, verweilt kurz bei ihnen und – geht weiter.
Die Leser, die mehr über einzelne Figuren wissen wollen, müssen
zwischen den Zeilen lesen, beziehungsweise ihre Phantasie zu Rate ziehen.
Die Autorin macht es ja genauso – immerhin sind all ihre Figuren
(manche liebenswürdig, manche böse, manche naiv, manche raffiniert,
manche skurril, manche nicht) ausschließlich ihrer Vorstellung
entsprungen. Sind sie es wirklich? Oder handelt es sich in Wahrheit nicht eher um
die verschiedenen Facetten der eigenen Persönlichkeit – die
der Autorin oder die der jeweiligen Leser? Und genauso wenig, wie die
einzelnen Charakterzüge einer Einzelperson isoliert voneinander
existieren, sind diese ‘kurzgefassten Geschichten’ unabhängig
voneinander. Sie treten zueinander in Beziehung, agieren mal alleine,
mal gemeinsam, beeinflussen sich gegenseitig. Die Nebenfiguren der einen
Geschichte können bereits in der nächsten im Mittelpunkt stehen – und
dabei vielleicht das erwartete, vielleicht aber auch ein ganz neues Gesicht
zeigen.
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